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Häufige Fragen

Gehörlosigkeit

Wie viele Gehörlose gibt es in Berlin?
Es gibt keine genauen Zahlen, man geht von 4.000 bis 5.000 aus.
Kann man von Taubstummen sprechen?
Nein. Taube Menschen sind nicht stumm! Da sich taube Menschen in Gebärdensprache äußern und noch dazu einige von Ihnen (auch gesprochene) Laute von sich geben können, ist das veraltet und diskriminierend. Man spricht von „tauben Menschen“ oder „Gehörlosen“.
Was heißt CI?

„CI“ steht für Cochlear Implantat. Ein Elektrodenimplantat in der Hörschnecke. Dazu wird durch den Schädelknochen in das Mittelohr gebohrt. Von dort öffnet man dann das Innenohr. Das Implantat steckt also unter der Haut und reicht mit der Elektrode bis in die Hörschnecke. Von außen ist magnetisch eine Verbindung zum Sprachprozessor angebracht. Dieser kleine Computer sitzt (ähnlich wie ein Hörgerät) hinter dem Ohr. Akustische Reize werden von diesem Prozessor in elektrische Signale umgewandelt. Diese Signale werden über das Implantat ins Innenohr und an den Hörnerv weitergeleitet.

Es werden vor allem Kinder und spätertaubte Erwachsene implantiert. Bei ungefähr der Hälfte der früh implantierten Kinder kommt es trotz CI-Versorgung nicht zu einem normalen Lautspracherwerb. Deshalb ist es sehr wichtig, dass auch Kinder mit einem CI so früh wie möglich Zugang zu Gebärdensprache erlangen (z.B. durch entsprechende Frühförderung und Gebärdensprachkurse für hörende Eltern).

Haben nicht alle ein CI?
Nein. Nicht alle Eltern sind mit so einer weitreichenden Operation ihres Kindes einverstanden. Viele Taube aber auch hörende Eltern schätzen die Gebärdensprache und die damit verbundene Kultur. Auch nicht alle Erwachsenen wünschen diese Operation an sich selbst. Ob ein CI implantiert wird ist immer die persönliche Entscheidung der Eltern oder der erwachsenen Person.
Was bedeutet DEAF CODA, CODA und KODA?

Deaf CODA = CHild of deaf adults = gehörloses Kind gehörloser Eltern

Coda = Child of deaf Adults = hörendes Kind gehörloser Eltern

KODA = Kids Of Deaf ADults= Kinder von gehörlosen unter 18 Jahren

Umgang mit tauben und hörgeschädigten Menschen

Was muss ich im Umgang mit tauben und hörgeschädigten Menschen beachten?

  • Ansehen – Blickkontakt
  • Thema vorab nennen
  • Langsam und deutlich, aber normal sprechen
  • Kurze Sätze, Körpersprache einsetzen
  • Schwierige Worte, Eigennamen, Zahlen aufschreiben
  • Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte
  • Passt meine Mimik?
  • Haben Sie Geduld!
  • Bei Bedarf Hilfe anfordern (GebärdensprachdolmetscherInnen)
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Gebärdensprache

Ist Gebärdensprache international?

Jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache. Sprache steht in engem Zusammenhang mit der jeweiligen Kultur. In den Gebärdensprachen gibt es auch regionale Dialekte.

Es gibt eine Internationale Gebärdensprache (International Sign Language (ISL)). Diese ist aber keine natürlich gewachsene, sondern eine konstruierte Gebärdensprache. Sie wird eingesetzt bei der Verständigung auf internationaler Ebene und verwendet verschiedene Elemente aus verschiedenen Gebärdensprachen.

Ist Gebärdensprache eine „richtige“ Sprache?
Gebärdensprachen sind eigene vollwertige Sprachen. Sie haben eine eigene Grammatik und unterscheiden sich darin von den Lautsprachen des jeweiligen Landes. Deswegen lässt sich die Gebärdensprache auch nicht Wort für Wort in die Lautsprache übersetzen, genauso wenig wie eine Lautsprache wörtlich in eine andere übertragen werden kann.

Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist seit 2002 als offizielle Amtssprache in Deutschland anerkannt.

Notruf

Gibt es Notrufe für tauben Menschen?
Über den Telefonvermittlungsdienst Tess kann der Notruf zur Polizei oder Feuerwehr in Gebärdensprache und in Schriftsprache kostenfrei und rund um die Uhr abgesetzt werden (seit dem 01.07.2018).

Im Moment wird eine Notruf-App entwickelt, welche den Notruf direkt vom Smartphone in die örtlich zuständige Leitstelle von Polizei und Feuerwehr sendet. Bisher gibt es diverse private, aber entgeltliche Anbieter von Notruf-Apps.

Weiterhin kann ein Notruf auch per Fax und SMS (je nach Telefon-Anbieter) abgegeben werden.

Dolmetscher

Hat man als Gehörloser Anspruch auf GebärdensprachdolmetscherInnen?
Im Umgang mit staatlichen Einrichtungen (z. B. Ämter und Behörden, Gerichte) sowie im Zusammenhang mit einigen zentralen Lebensbereichen (Gesundheit, Bildung, Arbeit) hat der auf Gebärdensprache Angewiesene das Recht, Gebärdensprache zu verwenden. Dieses Recht ist an verschiedenen Stellen des Sozialgesetzbuches (SGB) sowie im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und im Berliner Landesgleichberechtigungsgesetz (LGBG) verankert. Zur Wahrnehmung dieses Rechts hat er Anspruch auf GebärdensprachdolmetscherInnen.

Bei privaten Anlässen (Kino, Hochzeit, Scheidung etc.) muss der Gehörlose selbst den Dolmetscher organisieren und bezahlen. Zum Ausgleich der behindertenbedingten Mehraufwendungen (u.a. Dolmetscherkosten) erhält er in Berlin das Landespflegegeld (z.Z. über 145,00€/Monat).

Wer bezahlt den/die Dolmetscher/-in?
Voraussetzung: Anspruch auf DolmetscherInnen besteht (s.o.)

Beispiele:

  • Bei JobCenter/Agentur für Arbeit (z.B. Gespräch mit Arbeitsvermittler): JobCenter/Agentur für Arbeit (§17 SGB I, §19 SGB X)
  • Bewerbungsgespräch um einen Arbeitsplatz: Agentur für Arbeit/JobCenter (Integrationsamt) (Hilfen für Arbeitssuchende § 33 III SGB IX)
  • Arbeit (z.B. Gespräch mit Chef, regelmäßige Besprechungen, Weiterbildungen): Integrationsamt (Arbeitsassistenz § 102 IV SGB IX)
  • Bei Rentenbeantragung: Deutsche Rentenversicherung (KHV zum BGG)
  • Bei Arztbesuch/ärztlich verordnete Therapien/ambulante Behandlung im Krankenhaus: Krankenkasse (,aber nur bei kassenärztlichen Leistungen!) (§17 SGB I, §19 SGB X)
  • Elternabende in Kita: Jugendamt (§17 SGB I, §19 SGB X)
  • Elternabende in der Schule: Schulamt (§ 12 III LGBG, § 2 SchulkommV)
  • Bei Vorladung vor Gericht/Polizei: Gericht/Polizei (§ 186 GVG iVM JVEG)

BGG = Behindertengleichstellungsgesetz

GVG = Gerichtsverfassungsgesetz

JVEG = Justizvergütungs- und entschädigungsgesetz

KHV = Kommunikationshilfeverordnung

LGBG = Landesgleichberechtigungsgesetz

SchulkommV = Schulkommunikationsverordnung

SGB = Sozialgesetzbuch

Haben DolmetscherInnen eine Schweigepflicht?
Ja, sie haben eine Schweigepflicht betreffend allem, was ihnen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit anvertraut worden oder bekannt geworden ist, soweit nicht das Gesetz oder Grundsätze der Rechtsprechung eine Ausnahme davon macht.
Welche Rolle haben DolmetscherInnen?
DolmetscherInnen sind zwischen zwei Sprachen und zwei Kulturen vermittelnde DienstleisterInnen, die an eine Berufs- und Ehrenordnung gebunden sind. Sie können als SprachmittlerInnen eine reibungslose Kommunikation ermöglichen, indem sie aus der gesprochenen in die gebärdete Sprache und umgekehrt übersetzen. Sie sind keine SozialarbeiterInnen, sie sind unparteiisch.